In unseren Breitengraden ist schon beinahe jede Privatperson ein Fachmann für Ernährung. Jeder gibt jedem Verhaltensmassregeln oder macht Vorschläge zum Thema gesunde Ernährung. Manchmal ist es schon erstaunlich, was da so alles als gesund oder weniger gesund oder sogar als ganz schädlich bezeichnet wird. Jeder Ratgeber ist natürlich felsenfest davon überzeugt, dass seine eigenen Erfahrungen in Sachen Ernährung allgemeingültig sind und für jeden passen.

Mit diesem Gedankengut tun sich erfahrene Ayurvedaspezialisten richtig schwer. Nicht etwa weil hier Intoleranz besonders ausgeprägt ist oder jemandem nicht gegönnt wird, dass er gesund wird - in der jahrhundertealten Naturheilkunde Ayurveda gelten einfach andere Spielregeln.


Im Ayurveda ist alles gesund - nur nicht für jeden und nicht jederzeit

Was es in der ayurvedischen Ernährung überhaupt nicht gibt, sind Verallgemeinerungen. Was für mich gesund und förderlich ist, mag für meinen Freund genau das Falsche sein. Die Ayurvedaweisen in alter Zeit wussten, dass Ernährung eigentlich Medizin ist. Jedes Nahrungsmittel, jedes Kraut, jedes Gewürz hat irgendeine Wirkungsweise auf den menschlichen Organismus. In dem Moment, wenn man die Wirkungen kennt, lassen sie sich gezielt einsetzen. Genau dies ist der Ansatz eines Ayurvedaarztes. Alles wirkt individuell unterschiedlich, es passt zu einer bestimmten Tages- oder Jahreszeit. Es hängt ab, von der Kombination mit Gewürzen, es kommt auf eine gute Zubereitung an und in welcher Art Nahrungsmittel zu sich genommen werden. Das klingt schwierig, ist es aber nicht.

Gute Ernährung ist im Ayurveda individuell

Im Ayurveda unterscheidet man unterschiedliche Grundenergien, durch die sich jeder Mensch auszeichnet. Sie unterscheiden sich, sind aber weder gut noch schlecht. Eine heilende und harmonisierende ayurvedische Ernährung ist exakt auf den Energietypus eines Menschen abgestimmt und kann erst dann ihre wohltuende Wirkung entfalten. Eine einleuchtendes Beispiel mag die Wirkung von Chillie sein. Für den schnellen, eher nervösen Typus kann die Wirkung nach hinten losgehen, der Darm und das Nervensystem sind leicht überreizt. Für den gesetzteren, behäbigen und eher langsamen Typ mag eine Prise Chillie eine sehr belebende Wirkung haben. Das Nahrungsmittel bleibt das Gleiche - nur die Wirkung unterscheidet sich und bringt dem einen Freud, dem anderen Leid.

Ein bisschen Klarheit bringen hier gute Kochbücher, die dem Leser nicht nur Rezepte, sondern auch die Grundprinzipien der ayurvedischen Küche näher bringen.

Autorin: Elisabeth Füngers
Titel: Das Ayurveda Kochbuch
Erschienen im Südwest Verlag