Heute, am 18. Juni 2020 bin ich immer noch auf Sri Lanka.
Es ist heiss, Wolken, Wind , Tropengewitter und Extremsonne wechseln sich ab, jeder Tag ist spannend und nie vorhersehbar. Zwei von mir gebuchte Flüge wurden jeweils storniert - weil es wohl keine Mitreisenden gab. Ich bin gespannt, ob mein Flug Anfang Juli nun stattfindet.


Hier im Land geht alles seinen normalen Gang. Das Leben läuft wie vor Corona. Jedoch mit Gesichtsschutz und - wenn es machbar ist, auch mit Abstand. Alle Geschäfte, Märkte, Imbissbuden an den Strassen, Obst- und Gemüseverkäufer auf den Gehwegen - der Alltag hat uns wieder.
Traurig anzuschauen sind Bereiche, in denen sich sonst fast ausschliesslich Touristen aufhalten. Da herrscht gähnende Leere. Die Läden sind zu, die Restaurants verrammelt, die Strände, wie zum Beispiel in Unawatuna oder Tangalle sind verlassen. Natürlich ist es ein unfassbares Gefühl am Strand auf Kilometern niemanden zu sehen und die berührende Naturschönheit ganz allein geniessen zu können. Aber es ist auch traurig für alle, die vom Tourismus leben... alle sind startklar! Ein bisschen wird es noch dauern - die Regierung hat den Flughafen Colombo für einreisende Touristen für den August freigegeben.


Im Hotel, nur 10 Mitarbeiter halten die Stellung, die anderen sind beurlaubt, wird die Zeit genützt um nötige Arbeiten, wie Hibiskushecken zurückschneiden, Klimaanlagen warten oder alle Zimmer überprüfen nach Schäden, die bevor es wieder losgeht, ausgebessert werden müssen. Der Chefkoch und ein Küchenhelfer sind da, um für die anderen zu kochen. Aufgrund der Notlage mussten die Gehälter wie in allen Hotels reduziert werden. Die Sicherheitsleute bewachen das Areal, das sich in einem Dornröschenschlaf befindet.
In vielen Gesprächen versuchen der Hoteldirektor und ich die neuen Rahmenbedingungen auszuarbeiten und für die Zeit ab 1. Oktober, dem Zeitpunkt der Wiedereröffnung, zu planen. Oft fällt es schwer, ist doch die materielle Last erdrückend. Aber wir sind uns einig: wir wollen ,müssen und werden es schaffen.


Corona ist im Land kein dominierendes Thema mehr - zu recht bei unter 10 Toten und ein paar hundert Infizierten in Navycamps - die aber alle gesund und genesen sind. Wie in allen Ländern wurden durch den lockdown oder hier - durch die Ausgangssperre unbeschreibliche ökonomische Schäden angerichtet - die vor allem die armen Menschen in der Gesellschaft betreffen. Die Suche nach Staatskrediten und Förderungen für bedürftige Menschen läuft auf vollen Touren. Ich hoffe, dass Mittel und Wege gefunden werden, das verschuldete Land wieder auf Linie zu bringen und jedem Menschen sein rice & curry zu sichern. Zunächst muss auch die Präsidentschaftswahl Mitte August geschafft werden. Die Opposition war gegen den Termin- die Regierung hat sich - wie bei allem - durchgesetzt. Ich denke, es wird keine grosse Überraschung geben - die schwierigen Rajapaksa Brüder (Präsident und Ministerpräsident) sind beliebt und die ebenso schwierige Machtausübung wird wohl nicht gestört werden.


So bleibt denn nur für alle, die dieses Land lieben, die starke Hoffnung, dass die positiven Entwicklungen voranschreiten können, ohne dass Freiheiten beschnitten werden. Ich geniesse Sri Lanka sehr - so ungewohnt ohne Touristen - es erinnert mich in Vielem an die Zeit vor 25 Jahren - so schön, intensiv und unverfälscht.

 

Und dennoch: auf jedem Schritt begleitet mich die tiefe Sehnsucht, dass die Reisenden schnell wieder kommen und wir die Besonderheiten der Insel wieder mit allen teilen können.
Uschi Burkart

Ich bin immer noch auf Sri Lanka, mein gebuchter und bestätigter Flug fand nicht statt und momentan gibt es noch keine weiteren Flüge nach Europa. Also bin ich hier, wickle alles Administrative wie gewohnt ab, lese viel, arbeite im Garten und - ich glaube es fast nicht - es sieht Dank der strengen Ausgangssperre alles ein bisschen nach Urlaub aus.

 

 

Die Situation hat sich seit meinem letzten Bericht wie folgt entwickelt:

Von den inzwischen insgesamt knapp 700 Infizierten, sind die meisten wieder Zuhause, aus der Quarantäne entlassen - ein minimaler Prozentsatz wird noch getestet. Nach gut 2 Monaten steht also jetzt fest, dass es auf der südlichen Hälfte Sri Lankas ( südlich von Colombo ) keine Inifzierten gab - in der Gegend um Colombo hatte sich wohl ein Virus in einem Navy Camp verirrt und dort für Unruhe gesorgt.

 

Bei allen Menschen auf der Insel gab es natürlich Bedauern, dass sowohl die Feierlichkeiten aufgrund des buddhistischen Neujahrsfestes am 14. April, als auch die Zeremonien in den Tempeln zum Vesak-Vollmond am 6. Mai ausfallen mussten und dass beides ganz im Rahmen der Familien begangen werden musste - bedingt durch die rigide Ausgangssperre.
Aber in allen Haushalten wurde gebacken, gekocht, gemütlich Tee getrunken untermalt von den Mönchs Gesängen aus den Tempeln - die überallhin durch Lautsprecher übertragen wurden. Es gab weder Demonstrationen, grösseren Ärger oder besondere Vorkommnisse - die Menschen sehen die Notwendigkeiten und akzeptieren widrige Unstände und das berühmte ceylonesische Lächeln geht trotz allem nicht verloren...

 

Seit dem 11. Mai sind wir alle frei und die Ausgangssperre ist beendet. Firmen, Institutionen, Geschäfte, Büros nehmen wieder ihre Arbeit auf. Die Schulen bleiben noch geschlossen. Der Nahverkehr ist organisiert und scheint zu funktionieren. Natürlich hat die Corona Krise auch auf der Insel immensen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Am schwersten war es mit Sicherheit für alle, die auf einen täglichen Lohn oder ihre kleinen Einnahmen angewiesen sind. Tuc Tuc Fahrer, touristische Hilfskräfte, Verkäufer, Imbissbuden Besitzer etc. Hier hat bis jetzt die Regierung unterstützt mit ca 30 bis 50 Euro pro Monat für Lebensmittel - sozusagen die ceylonesische Entsprechung der deutschen Soforthilfe.

 

Damit kann man auskommen und sich ernähren. Die Banken haben Tilgungen für Darlehen ausgesetzt, zum Beispiel für Fahrzeuge - die abbezahlt werden müssen, aber ohne Touristen nicht einmal mehr der Lebensunterhalt gewährleistet ist. Kaum jemand hat hier Reserven - man lebt von der Hand in den Mund. Die Beendigung der Ausgangssperre gibt viel Auftrieb und jeder versucht jetzt irgendwie über die Runden zu kommen. Ganz schlecht ergeht es den Betreibern der Alkoholläden... die bleiben weiterhin geschlossen!

 

Die längerfristigen Schäden sind auch hier unermesslich. Die Regierung versucht Unterstützung anderer Staaten zu bekommen - bislang sind mir keine Ergebnisse bekannt.

Auch bei uns hier auf Sri Lanka sieht das Leben momentan anders aus als normal.
Hier ging alles ganz plötzlich los, Mitte März - davor waren nur Berichte aus China und Europa zu hören - alles war irgendwie ganz weit weg und das Inselleben verlief wie immer. Praktisch von einem Tag auf den anderen waren wir involviert. Am 15. März wurden Flüge gestrichen, ein sofortiger Einreisestop angekündigt ... Für unsere anwesende Kurgäste konnten gerade noch Plätze in einer der letzten Maschinen nach Deutschland gebucht werden. Andere, anreisende Kurgäste mussten nach einer Stunde Aufenthalt in Colombo in der gleichen Maschine wieder in die Heimat zurück fliegen.