Auch bei uns hier auf Sri Lanka sieht das Leben momentan anders aus als normal.
Hier ging alles ganz plötzlich los, Mitte März - davor waren nur Berichte aus China und Europa zu hören - alles war irgendwie ganz weit weg und das Inselleben verlief wie immer. Praktisch von einem Tag auf den anderen waren wir involviert. Am 15. März wurden Flüge gestrichen, ein sofortiger Einreisestop angekündigt ... Für unsere anwesende Kurgäste konnten gerade noch Plätze in einer der letzten Maschinen nach Deutschland gebucht werden. Andere, anreisende Kurgäste mussten nach einer Stunde Aufenthalt in Colombo in der gleichen Maschine wieder in die Heimat zurück fliegen.

Der Umschwung fand in kürzester Zeit statt und die Veränderung musste rasant schnell bewältigt und organisiert werden. Es war offensichtlich, dass alle Kuren, die im voraus von Mitte März bis Ende April gebucht waren, nicht durchgeführt werden konnten. Schnelles Handeln war angesagt.

 

In Kürze war klar, dass ein extrem schweres Jahr vor uns liegt. Der Schrecken nach den Colombo-Attentaten im April letzten Jahres, wiederholte sich. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir keine Möglichkeit hatten uns und alle anderen zu bedauern oder uns eine Schockstarre erlauben zu können. Alles musste schnell gehen, Entscheidungen getroffen werden.

 

Bereits eine Woche später war das Hotel geschlossen, alles wurde auf die Zeit ohne Hotelbetrieb vorbereitet. Wir fällten eine ganz klare Entscheidung für unsere guten und langjährigen Mitarbeiter: Der Basisstamm - Therapeuten, Küchenchef, Housekeeping, Gärtner - alle die seit vielen Jahren fest zur Hotelfamilie gehören, von unseren Gästen geliebt werden und so viel zum Erfolg des Hotels beigetragen haben, werden weiter bezahlt - auch wenn uns noch immer nicht klar ist, wie unser generelles Überleben finnaziert werden kann.

 

Am Freitag, den 20. März kam dann die Ankündigung des Präsidenten, dass ganz Sri Lanka unter totaler Ausgangssperre steht. Die Ankündigung kam am vormittag - bereits ab 18 Uhr trat die Ausgangssperre in Kraft. Jeder schaute, dass er so schnell wie möglich nach Hause kam. Auch ich machte mich schleunigst auf den Weg in mein ceylonesisches, privates Zuhause. In Windeseile war das Auto voll gepackt. Die Autobahn war bereits gegen 16 Uhr geschlossen - ein mitleidiger Polizist erlaubte mir die letzte Fahrt nach Galle.
Diese erste Ausgangssperre dauerte bis Montagmorgen. Innerhalb von 6 Stunden musste ein ganzes Land einkaufen, Geld abheben, tanken ... alles andere war sowieso dauerhaft geschlossen. Ab 12 Uhr mussten alle wieder zuhause sein.
In diesen Stunden habe ich ganz neue Seiten an den Einheimischen entdeckt und bin voller Bewunderung für ihr diszipliniertes Verhalten. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es schon landesweit niemanden mehr, der ohne Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit war, der Eintritt in Geschäfte ohne Maske war sowieso undenkbar. Die Gesichtsmaske wird hier getragen um die anderen zu schützen ... In den Familien bekam immer derjenige eine Maske, der für die Einkäufe zuständig ist ... bereits beim nächsten Freigang wurden überall an Masken angeboten, die schnell angefertigt worden waren.

 

Vor einem der 2 grossen Supermärkte in Galle standen früh um 7.30 bereits ca 200 vermummte Menschen, mit 1,5 Metern Abstand … und warteten diszipliniert und mit grosser Geduld. Dann Händewaschen, Fiebermessen, Hände desinfizieren und schon (nach ca 1,5 Stunden) war man drin. Auch hier wurde gehamstert - jedoch nicht WC - Papier aber Reis, Linsen, Milchpulver etc ... Im ganzen Stadtgebiet standen LKWs aus denen direkt 20 Kg Reissäcke oder Gemüse und Früchte frisch vom Feld verkauft wurden. Dies hat sich bis heute nicht verändert. Wir haben nach wie vor die komplette Ausgangssperre von 6 Tagen und dann einige Stunden frei zum Einkaufen. Sri Lanka hat bis zum heutigen Tag 170 Infizierte, 2 sehr alte Menschen sind gestorben, aus der Quarantäne/ Krankenhaus kamen bis jetzt ca 50 Personen gesund zurück. Der Virus war von einem chinesischen Touristen und von 3 Ceylonesen, die in Italien lebten und arbeiteten eingeschleppt worden.

 

Wenn ich täglich die europäischen Zeitungen verfolge, fällt mir auf - dass es kein anderes Thema mehr gibt, dass viel mit Ängsten und Emotionen gearbeitet wird und bald wohl kein Ratschlag mehr gegeben werden kann - weil alles schon gesagt wurde. Das ist hier nicht so. Die Anordnungen werden gut befolgt, die meisten sind einverstanden und jeder arrangiert sich auf seine Weise mit dem neuen Leben ...

 

Die jeweiligen Regelungen werden immer nur ganz kurz vorher bekannt gegeben. Auch am Vollmondtag - im Normalfall gehen 80% der Einheimischen an diesem Tag in die Tempel - war komplette Ausgangssperre. Dafür wurden die Gesänge der buddhistischen Mönche in den Tempeln über Lautsprecher im ganzen Land übertragen. Am 14. April wird hier eigentlich das buddhistische Neujahrsfest gefeiert - das ist hier wie bei uns Weihnachten und Ostern zusammen - mit vielen Geschenken, Traditionen, Zeremonien, Familienbesuchen und vor allem: extrem vielen Einkäufen in der Woche davor ... wie es momentan aussieht, wird die Ausgangssperre auch an diesem höchsten Feiertag des Landes aufrecht erhalten und davor nur wieder die Stundenöffnung. Ein extremer einschnitt in das ceylonesische Leben - aber es geht und man kommt damit klar.

 

Wie in allen Ländern hat diese Krise hier katastrophale finanzielle Auswirkungen. Für ein Land, das von ausländischen Touristen lebt, bricht alles zusammen. Angefangen bei den Strandverkäufern, den Tuc Tuc Fahrern, Hotelmitarbeitern, bis hin zu allen Strandrestaurants, den kleinen und grossen Hotels ... es ist der absolute materielle lock down.

 

Glücklich ist, wer sich noch einen Sack Reis kaufen konnte - denn staatliche Hilfen gibt es hier nicht. Dafür halten die Familien zusammen. Viele verheiratete Kinder mit ihren Familien kehren zurück zu den Eltern - die schwere Zeit wird, wenn möglich im Grossverbund erlebt und organisiert. Essen wird zusammengetragen - in den einkaufsfreien Stunden besorgt jeder etwas anderes, jeder hat seine Aufgabe und jede Familie schaut, wie mein gemeinsam klar kommt. Im Zusammenkommen wird hier eine spezielle Zeit überbrückt - die Menschen hier sind es gewohnt, das Leben so zu nehmen, wie es kommt.

 

Auch für das Hotel und Vita Vision ist alles ungewiss. Ich werde schwer um das materielle Überleben kämpfen müssen. Ich glaube weiter an die Idee und dieses erfolgreiche Ayurveda-Projekt - es rentiert sich, alles dafür zu tun.
Wir rechnenn damit dass ab Ende September das Leben sich normalisiert haben könnte … und die bereits bestehenden Buchungen von Wiederholungsgästen werden wir umfunktionieren zu einem Freudenfest. Bis dahin gilt es zu überbrücken, Hilfen anzunehmen und irgendwie über die Runden zu kommen.

 

Ab dem 27. April werde ich wieder am Ammersee sein und bin dort zu erreichen. Dies natürlich nur, wenn die Airlines bis dahin ihre Flüge nach Deutschland wieder aufnehmen. Für den Transfer zum Flughafen benötige ich eine Sondergenehmigung der Polizei.


Nach heutigem Kenntnisstand werde ich mich am Ammersee in eine zweiwöchige Hausquarantäne begeben.

 


 

Lassen Sie uns ruhig und positiv sein.
Lassen Sie uns nicht auf Angstmacher und Untergangsfanatiker reinfallen. Lassen Sie uns das Nötige tun und die Krise bewältigen.
Lassen Sie uns gemeinsam und mit vollem Herzen der schwer Erkrankten und Toten gedenken.

Aber lassen Sie uns auch nie die Chancen aus den Augen verlieren. Endlich wird uns Menschen Einhalt geboten, wir werden gezwungen nachzudenken und unser Leben zu überdenken. Wir haben jetzt die Möglichkeit, kranke und überflüssige Verhaltensmuster zu erkennen und abzulegen. Lassen sie uns trotz der finanziellen Probleme nicht den Mut verlieren, nicht verzweifeln und nicht verzagen.

 

Mit ein wenig Ruhe, Besinnlichkeit, Aufmerksamkeit und Mut können wir alles bewältigen.
Es wird gelingen.

Bis bald - jeder einzelne Ayurveda Kurgast wird Anlass sein, für meine tiefe und ehrliche Freude.
Ich kann es kaum erwarten, Sie alle wieder zu sehen und auch neue Gäste bei uns - im führenden Ayurvedaresort - herzlich willkomen zu heissen.

Aber davor wünsche ich Ihnen trotz alle Einschränkungen und Probleme ein zufriedenes und beschauliches Osterfest.

 

uschi burkart

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Uschi Burkart

 

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