Ich bin immer noch auf Sri Lanka, mein gebuchter und bestätigter Flug fand nicht statt und momentan gibt es noch keine weiteren Flüge nach Europa. Also bin ich hier, wickle alles Administrative wie gewohnt ab, lese viel, arbeite im Garten und - ich glaube es fast nicht - es sieht Dank der strengen Ausgangssperre alles ein bisschen nach Urlaub aus.

 

 

Die Situation hat sich seit meinem letzten Bericht wie folgt entwickelt:

Von den inzwischen insgesamt knapp 700 Infizierten, sind die meisten wieder Zuhause, aus der Quarantäne entlassen - ein minimaler Prozentsatz wird noch getestet. Nach gut 2 Monaten steht also jetzt fest, dass es auf der südlichen Hälfte Sri Lankas ( südlich von Colombo ) keine Inifzierten gab - in der Gegend um Colombo hatte sich wohl ein Virus in einem Navy Camp verirrt und dort für Unruhe gesorgt.

 

Bei allen Menschen auf der Insel gab es natürlich Bedauern, dass sowohl die Feierlichkeiten aufgrund des buddhistischen Neujahrsfestes am 14. April, als auch die Zeremonien in den Tempeln zum Vesak-Vollmond am 6. Mai ausfallen mussten und dass beides ganz im Rahmen der Familien begangen werden musste - bedingt durch die rigide Ausgangssperre.
Aber in allen Haushalten wurde gebacken, gekocht, gemütlich Tee getrunken untermalt von den Mönchs Gesängen aus den Tempeln - die überallhin durch Lautsprecher übertragen wurden. Es gab weder Demonstrationen, grösseren Ärger oder besondere Vorkommnisse - die Menschen sehen die Notwendigkeiten und akzeptieren widrige Unstände und das berühmte ceylonesische Lächeln geht trotz allem nicht verloren...

 

Seit dem 11. Mai sind wir alle frei und die Ausgangssperre ist beendet. Firmen, Institutionen, Geschäfte, Büros nehmen wieder ihre Arbeit auf. Die Schulen bleiben noch geschlossen. Der Nahverkehr ist organisiert und scheint zu funktionieren. Natürlich hat die Corona Krise auch auf der Insel immensen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Am schwersten war es mit Sicherheit für alle, die auf einen täglichen Lohn oder ihre kleinen Einnahmen angewiesen sind. Tuc Tuc Fahrer, touristische Hilfskräfte, Verkäufer, Imbissbuden Besitzer etc. Hier hat bis jetzt die Regierung unterstützt mit ca 30 bis 50 Euro pro Monat für Lebensmittel - sozusagen die ceylonesische Entsprechung der deutschen Soforthilfe.

 

Damit kann man auskommen und sich ernähren. Die Banken haben Tilgungen für Darlehen ausgesetzt, zum Beispiel für Fahrzeuge - die abbezahlt werden müssen, aber ohne Touristen nicht einmal mehr der Lebensunterhalt gewährleistet ist. Kaum jemand hat hier Reserven - man lebt von der Hand in den Mund. Die Beendigung der Ausgangssperre gibt viel Auftrieb und jeder versucht jetzt irgendwie über die Runden zu kommen. Ganz schlecht ergeht es den Betreibern der Alkoholläden... die bleiben weiterhin geschlossen!

 

Die längerfristigen Schäden sind auch hier unermesslich. Die Regierung versucht Unterstützung anderer Staaten zu bekommen - bislang sind mir keine Ergebnisse bekannt.